Denkraum · Zukunft

Der Bandlkramer – Aufschieben bis zum bitteren Ende

Veröffentlicht 25.08.2025 · Aktualisiert 25.08.2025 · Tom Hill

Zukunft

Der Bandlkramer – Aufschieben bis zum bitteren Ende

Der Tod klopft an die Tür

Drinnen sitzt der Bandlkramer, Händler für Bänder und Schnüre. Doch wie so oft hat er gerade keine Zeit.„Gleich“, ruft er, „gleich komm’ ich mit. Aber schau, erst die roten Bandln – die müssen ordentlich liegen.“

Der Tod nickt, setzt sich, wartet. Als die roten sortiert sind, fällt dem Bandlkramer ein: „Die blauen! Ein Chaos. Nur einen Augenblick.“ So vergeht eine Stunde. Ein Tag. Ein Jahr.

Frei nach einer bayerischen Volkserzählung. Der Stoff ist gemeinfrei – die Nacherzählung ist neu.

Patron der Aufschieber

Der Bandlkramer lebt, was viele kennen: verschieben, vertrösten, verhandeln. Er hält sogar den Tod hin – wie wir die Steuer, den Zahnarzt, das Gespräch mit dem Chef. Alles ist wichtig, nur nicht das Eigentliche.

Witzige Alltagsklassiker

  • Der Mailsortierer: Posteingänge ordnen, bevor das Konzept beginnt.
  • Der Kaffeemacher: „Ohne Espresso keine Strategie.“
  • Der Putzer: Erst den Schreibtisch desinfizieren, dann die Zahlen.
  • Der Digital-Tourist: „Nur kurz“ News, Reels, LinkedIn – und weg ist die Stunde.
  • Der Perfektionist: Fängt nicht an, weil es am Ende perfekt sein muss.

Warum wir aufschieben

Prokrastination ist selten Faulheit. Meist ist es Angst: vor Anstrengung, vor dem Scheitern, vor dem Urteil anderer. Also schaffen wir Ersatzhandlungen – Bandln sortieren – und nennen es „busy“.

Die Wende: Ein Bild statt Druck

Nicht noch ein Zeitmanagement-Trick. Hilfreicher ist ein Zukunftsbild: keine 50 Seiten, sondern ein klarer Satz, eine kurze Geschichte, ein Horizont. Es verschiebt die Perspektive von „Muss“ zu „Will“.

  • Klarheit: Wofür mache ich das?
  • Richtung: weniger Druck, mehr Ziel.
  • Energie: Anfangen fällt leichter, wenn der Sinn vornedran steht.

Mini-Plan gegen Aufschieberitis

1) 10-Satz-Skizze

Schreibe in zehn Sätzen auf, wie „gut“ in sechs Monaten aussieht. Keine Prosa, klare Bilder. Fertig ist die Spur.

2) Pomodoro mit Purpose

25 Minuten nur die eine Sache. 5 Minuten Pause. Vier Durchgänge. Davor notieren: „Wozu mache ich das?“ – der Mini-Sinn macht den Start leichter.

3) MVP statt Meisterwerk

Erste Version in 60 Minuten. Unfertig ist erlaubt, Feedback ist gewünscht. Perfekt kommt später.

4) Frist mit Publikum

Sage laut an, was du bis wann lieferst. Öffentlichkeit schlägt Ausrede.

Fazit

Den Tod kann man nicht ewig auf der Bank sitzen lassen. Das Leben auch nicht. Wer ein Bild hat, fängt an – und braucht keine Bandln mehr zu sortieren.

Aktivierende Frage: Welche Aufgabe würdest du heute nicht mehr „auf morgen“ vertagen, wenn du dem Bandlkramer über die Schulter schauen würdest?

Zukunftscall

Wenn du wissen willst, ob ein Zukunftsbild für dich sinnvoll ist, lass uns sprechen.

Tom Hill

Tom Hill

Sparringspartner für Unternehmer · Zukunftsb(u)ilder. Entwickelt mit Inhabern und Geschäftsführern im Mittelstand Zukunftsbilder als Grundlage für Strategie, Entscheidungen und Führung.