Ich war vierzehn. Unsere Klasse machte einen Ausflug an die innerdeutsche Grenze. Zum ersten Mal sah ich den Zaun. Den Kolonnenweg. Den Wachturm. Den Todesstreifen.
Ich verstand nicht viel von Politik. Aber ich verstand sofort, dass hier etwas nicht stimmen konnte. Ein Land. Zwei Hälften. Familien getrennt. Menschen eingesperrt.
Ich erinnere mich noch an einen Gedanken: Irgendwann muss diese Grenze verschwinden. Damals klang das fast naiv. Die Erwachsenen erklärten uns, dass diese Grenze wohl noch sehr lange bleiben würde. Vielleicht für immer. Ich wollte ihnen nicht glauben.
Dann ein Zeitsprung. Viele Jahre später stand ich wieder dort. Nicht als Schüler. Diesmal wegen der Grenzstein-Trophy. Ich war nie Teilnehmer. Aber ich durfte Trail Magic sein: ein paar Stunden helfen, Verpflegung ausgeben, zuhören, Mut machen, weiterschicken. Es sind kleine Gesten. Aber manchmal reichen sie, damit jemand seinen Weg fortsetzt.
Als die Fahrer weiter waren, blieb ich noch. Ich ging durch Mödlareuth. Und plötzlich stand ich wieder an diesem Bach. Kaum breiter als ein Schritt. Der Bach hatte sich nicht verändert. Nur die Grenze war verschwunden.
Als Kind hielt ich die Mauer für unüberwindbar. Heute weiß ich: Selbst die stärksten Grenzen beginnen als Gedanken.
Ich hatte etwas erlebt, das alle für unveränderlich hielten — und das trotzdem verschwunden ist. Das ist exakt Zukunftsbild-Arbeit. Nicht Optimierung. Nicht Strategie. Zuerst der Glaube, dass etwas anderes überhaupt möglich sein könnte.
Zukunftsbild-Arbeit beginnt nicht mit einem Plan. Sie beginnt mit dem Glauben, dass etwas anderes möglich ist.
