Eigentlich wollten wir nur wandern. Früh am Morgen. Der Atlantik war noch grau. Der Wind kam vom Meer.
Vor uns lag der Fischerweg der Rota Vicentina. Einer der schönsten Küstenwege Europas. Kilometerlang folgt er den schroffen Klippen der Westküste Portugals.
Die meisten bleiben auf diesem Weg. Wir auch. Zunächst.
Dann entdeckten wir einen schmalen Pfad. Keine Markierung. Kein Schild. Nur eine Spur zwischen den Sträuchern. Wir verließen den Weg.
Je weiter wir gingen, desto stiller wurde es. Der Pfad führte steil hinunter in ein Tal. Irgendwann war er kaum noch zu erkennen. Äste versperrten den Weg. Dornen griffen nach den Beinen. An manchen Stellen mussten wir den Weg erst wieder freischneiden. Nicht viel. Nur gerade so viel, dass wir weiterkamen.
Dann begann der Aufstieg. Schritt für Schritt. Bis sich plötzlich das Meer wieder öffnete.
Vor uns lag eine kleine Bucht. Kein Mensch. Nur Felsen. Wind. Atlantik. Und eine alte Leiter. Sie war dort für die Fischer. Sie führte die Steilwand hinunter zum Wasser.
Ich setzte mich daneben. Und schaute hinaus. Lange. Sehr lange.
Wir hatten den Weg verlassen. Und genau dort begann die eigentliche Reise.
Eigentlich war ich nach Carrapateira gefahren, um an meiner Website zu arbeiten. Mehr nicht. Doch dort, auf dieser Klippe, merkte ich, dass ich längst nicht mehr über Webseiten nachdachte. Ich dachte über Unternehmer nach. Über Strategie. Über Entscheidungen. Und über eine Frage, die mich seit Jahren beschäftigte.
Warum scheitern so viele Strategien, obwohl sie inhaltlich richtig sind?
Die Antwort lag plötzlich nicht in einer Methode. Sie lag vor mir. Die meisten Unternehmen haben einen Weg. Sie haben Pläne. Projekte. Maßnahmen. Was ihnen fehlt, ist der Ort, von dem aus dieser Weg sichtbar wird.
Strategie gibt Antworten. Ein Zukunftsbild gibt Richtung.
Ich war nach Portugal gefahren, um eine Website zu entwickeln. Zurück kam ich mit einer anderen Denkweise. Aus einer Website wurde ein Betriebssystem. Aus einer Beratung wurde eine Haltung.
Seit diesem Morgen glaube ich nicht mehr, dass Unternehmer zuerst bessere Strategien brauchen. Sie brauchen zuerst Abstand.
Denn mitten auf dem Weg sieht man nur den nächsten Schritt. Erst mit Abstand erkennt man, wohin der Weg überhaupt führt.
