Begriff erklärt

Beschäftigungs-Strategie. Bewegung, die nichts erreichen will.

Beschäftigungs-Strategie beschreibt eine Strategie, die Aktivität erzeugt, ohne ein klares Ziel erreichen zu wollen. Sie sieht aus wie Strategie, fühlt sich an wie Strategie – hat aber keinen Endpunkt, an dem sich Erfolg festmachen ließe.

Einordnung

Was Beschäftigungs-Strategie wirklich meint

Eine Beschäftigungs-Strategie ist Strategie, die ihren Sinn nicht aus dem Ergebnis bezieht – sondern aus der Tätigkeit selbst. Sie wird gemacht, weil Strategie gemacht werden muss. Sie produziert Folien, Maßnahmenpläne, OKRs und Initiativen.

Aber sie sagt nicht, woraufhin. Die Frage „Was sollen wir damit erreichen?" wird mit „mehr / besser / effizienter" beantwortet, nicht mit einem konkreten Bild.

Das ist nicht das Ergebnis von Faulheit oder Inkompetenz. Es ist die natürliche Folge einer fehlenden Voraussetzung: Ein Unternehmen ohne gemeinsamen Referenzpunkt kann Maßnahmen nur erzeugen – es kann sie nicht ausrichten.

Strategie ohne Zukunftsbild ist Beschäftigung.

Missverständnis

Was Beschäftigungs-Strategie nicht ist

  • – Faulheit oder Inkompetenz
  • – ein Handwerksproblem des Strategieprozesses
  • – zu wenig Energie im Team
  • – ein Tool- oder Methodenproblem
  • – durch ein neues Framework heilbar

Erkennung

Woran sie sichtbar wird

  • + Initiativen sind immer in Bewegung, nie an einem Ziel
  • + Antwort auf „wozu" lautet „mehr / besser / effizienter"
  • + Strategierunden produzieren neue Begriffe für altes Vermissen
  • + Erfolg wird an Aktivität gemessen, nicht an erreichten Zuständen
  • + Strategieprozess ist Selbstzweck, nicht Mittel

Praxis

Wie Beschäftigungs-Strategie im Alltag sichtbar wird

Beschäftigungs-Strategie ist selten frech. Sie ist meist gewissenhaft. Es wird hart gearbeitet, sauber moderiert, ordentlich dokumentiert. Nur ohne Endpunkt.

Sie zeigt sich, wenn jährlich neue Strategien beschlossen werden, ohne dass eine je vollendet wurde. Wenn das Wort „strategisch" inflationär gebraucht wird. Wenn Erfolg darin besteht, einen Strategieprozess „durchgeführt" zu haben – nicht darin, einen Zustand erreicht zu haben.

Genau hier verbindet sich Beschäftigungs-Strategie mit Strategiemüdigkeit und mit Zukunftsbild.

Denn Beschäftigungs-Strategie wird nicht durch mehr Strategie zur Strategie. Sondern durch das, was vor der Strategie steht: ein Bild davon, wohin sich das Unternehmen entwickeln will.

Kernsatz

Strategie ohne Zukunftsbild ist Beschäftigung.
Strategie mit Zukunftsbild ist Bewegung in eine Richtung.

Aus Beschäftigungs-Strategie wird Strategie, sobald ein gemeinsamer Bezugspunkt existiert. Ohne ihn bleibt jeder Prozess Aktivität – egal, wie sauber er handwerklich ist.