Schreiben heißt: dranzubleiben
Es gibt diesen alten Satz: „Wer schreibt, der bleibt.“ Er meint mehr als Archiv. Er beschreibt eine Haltung. Wer schreibt, bleibt dran – an seinen Gedanken, Zielen, Entscheidungen. Im Kopf sind Ideen flüchtig. Auf dem Papier werden sie verbindlich. Man kann sie nicht mehr wegschieben; sie fordern Stellungnahme und nächsten Schritt.
In meinen Zukunftsbild-Workshops höre ich es immer wieder – auch Jahre später: „Das Zukunftsbild begleitet uns.“ Manche rahmen es ein, andere lesen es vor wichtigen Terminen. Nicht die Länge wirkt, sondern die Niederschrift. Ein klarer Satz, ein Bild, ein Horizont – genug, um in stürmischen Zeiten Kurs zu halten.
Vena Amoris: vom Herzen in die Hand
Die alte Vorstellung der Vena Amoris – einer Liebesader vom Herzen zur Hand – ist romantisch und als Bild vollkommen richtig. Schreiben verbindet Gefühl und Handlung. Herz, Kopf und Hand arbeiten zusammen. Der Gedanke wird verkörpert: Er fließt durch die Hand aufs Papier und gewinnt Form, Gewicht, Richtung.
Darum sage ich: Vom Herzen in die Hand – und von dort in die Zukunft. Wer schreibt, macht den ersten Schritt von der Vision in die Wirklichkeit.
Was beim Schreiben passiert
1) Ordnung
Schreiben sortiert. Unwichtiges fällt ab, Wichtiges rückt nach vorn. Aus „man müsste mal“ wird „ich werde“.
2) Vertiefung
Vage Ideen werden präzise. Worte zwingen zur Klarheit. Ein Satz ist eine Entscheidung in Sprache.
3) Entlastung
Das Papier trägt. Der Kopf wird frei. Raum entsteht – und mit ihm ein Blick für Neues.
4) Erinnerung
Geschriebenes bleibt. Es ist nachlesbar, wiederholbar, teilbar – der Anfang einer gemeinsamen Geschichte.
Kreativität: die schöpferische Kraft
Kreativität kommt von lateinisch creare – schaffen, hervorbringen. Es geht nicht um Geniekult, sondern um Gestalten. Schreiben ist eine der ursprünglichsten Formen davon. Aus diffusem Denken wird eine Form, aus Gefühl ein Satz, aus Idee ein Auftrag an dich selbst.
Diese schöpferische Kraft ist ansteckend. Wer erlebt, wie Schreiben Klarheit und Energie freisetzt, will mehr davon. Ein kurzer Eintrag, eine halbe Seite – oft reicht das, um den Tag auf Schiene zu setzen.
Werkzeugkultur: Stift und Papier
Natürlich kannst du am Telefon tippen. Doch Material prägt Haltung. Ein guter Stift, ein Papier mit Charakter, ein Notizbuch, das man gern in die Hand nimmt – das ist kein Luxus, sondern Teil des Prozesses. Wer seine Gedanken ernst nimmt, darf auch den Rahmen dafür ernst nehmen.
- Schreibgerät: Ein Stift, der fließt, ohne zu kratzen. Du willst denken, nicht kämpfen.
- Papier: Trägt die Tinte, lädt zum Weiterschreiben ein. Haptik motiviert.
- Format: Ein Notizbuch, das mitreist. Immer griffbereit. Ideen haben keine Bürozeiten.
Warum Niederschrift Zukunft schafft
Ein Zukunftsbild ist kein 50-seitiger Plan. Es sind ein paar Sätze, es ist eine Geschichte, ein Bild, ein Horizont. Genau in dieser Schlichtheit liegt die Kraft: Menschen folgen keiner Excel-Zelle – sie folgen einer starken Geschichte. Und jede starke Geschichte beginnt mit dem Schreiben.
Teams berichten: „Das Zukunftsbild gibt uns Orientierung. Es erinnert uns daran, wofür wir stehen.“ Die Niederschrift ist die Brücke zwischen Vision und Alltag. Ohne sie bleibt Zukunft Gedankenspiel. Mit ihr wird sie sichtbar, greifbar, wirksam.
Nie zu spät
„Für mich ist es zu spät?“ Nein. Der älteste Teilnehmer in meinen Workshops war 83. Er schrieb sein Zukunftsbild – klar, lebendig, mutig. Zukunft hat kein Alter. Zukunft beginnt dort, wo du sie aufschreibst.
Zum Schluss
Wer schreibt, bleibt: dran, klar und verbunden – mit sich und seiner Zukunft. Und jetzt du:
Wo schreibst du am liebsten? Was ist dein Ort der Klarheit?