Blog Unternehmersein

Was Unternehmersein wirklich bedeutet – und was nicht

10 Mythen, die mehr Druck erzeugen als Orientierung – und warum Klarheit oft entlastender ist als ein perfektes Bild.

Tom Hill · Lesezeit: ca. 8–10 Min

Diagnose

Viele Belastungen entstehen nicht aus dem Unternehmersein selbst, sondern aus dem Versuch, einem Bild davon gerecht zu werden, das nie realistisch war.

Leitgedanke

Unternehmersein ist kein Heldentum – sondern ein Weg in Spannungsfeldern. Klarheit schlägt Vergleich.

Unternehmersein ist mit Bildern aufgeladen: Erfolgsgeschichten, Schlagzeilen, Podcasts, Zitate. Sie erzeugen Erwartungen – und nicht selten ein Gefühl von: „So bin ich offenbar nicht.“

Viele Unternehmer tragen diesen inneren Vergleich lange mit sich herum. Still. Unausgesprochen. Und oft unnötig. Denn ein Großteil dessen, was über Unternehmersein erzählt wird, sind Mythen.

Mythos 1: Unternehmer wissen immer, was sie tun

In Wahrheit wissen Unternehmer oft nur eines sicher: dass sie entscheiden müssen. Unsicherheit gehört nicht an den Rand dieses Weges – sie ist zentral.

Unternehmersein heißt nicht, alles zu wissen. Sondern Verantwortung zu übernehmen – trotz Ungewissheit.

Mythos 2: Unternehmer sind besonders mutig

Mut wird romantisiert. Die Realität ist nüchterner: Viele handeln nicht ohne Angst, sondern trotz Angst und Zweifel.

Mythos 3: Unternehmer arbeiten immer

Das Thema ist weniger Arbeitszeit als Verantwortung. Unternehmer tragen Verantwortung auch dann, wenn sie nicht aktiv arbeiten. Das wird von außen wie von innen oft missverstanden.

Mythos 4: Unternehmer müssen alles selbst können

Unternehmersein reift, wenn das Selbermachen an seine Grenze kommt. Wer alles selbst können muss, blockiert Entwicklung – im Unternehmen und bei sich selbst.

Mythos 5: Unternehmer denken immer strategisch

Strategisches Denken wächst mit Abstand – nicht mit Dauerstress. Wer glaubt, permanent strategisch sein zu müssen, setzt sich unter falschen Druck.

Mythos 6: Unternehmer müssen jederzeit verfügbar sein

Dauerverfügbarkeit ist selten Führung. Sie ist häufig ein Hinweis auf fehlende Klarheit: Zuständigkeiten, Entscheidungswege, Vertrauen.

Mythos 7: Unternehmer haben ihr Leben im Griff

Unternehmerleben ist kein Zustand stabiler Balance. Es ist ein Austarieren zwischen Rollen, Erwartungen und eigenen Ansprüchen. Ziel ist nicht Kontrolle, sondern bewusster Umgang mit Spannungen.

Mythos 8: Unternehmer dürfen nicht zweifeln

Zweifel sind oft ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein. Wer reflektiert, entwickelt sich. Unternehmersein ohne Zweifel ist kein Ideal – es ist eine Illusion.

Mythos 9: Unternehmer müssen Vorbilder sein

Viele setzen sich unter Druck, makellos zu wirken. Doch echte Führung entsteht aus Nachvollziehbarkeit: Haltung, Klarheit, auch Grenzen.

Mythos 10: Unternehmersein ist eine Frage des Erfolgs

Zahlen sagen etwas über das Unternehmen. Sie sagen wenig über die innere Haltung des Unternehmers. Unternehmersein misst sich auch daran, wie Verantwortung getragen wird.

Was bleibt, wenn man die Mythen weglässt?

Unternehmersein ist kein Heldentum, keine Dauerstärke, keine Garantie auf Erfolg. Es ist ein Weg, der Klarheit erfordert: über Rollen, Grenzen, Maßstäbe.

Der wichtigste Schritt ist oft kein äußerer, sondern ein innerer: sich vom Vergleich zu lösen – und den eigenen Maßstab zu finden.

Frage zum Schluss:
Welcher dieser Mythen hat dich länger begleitet, als dir gutgetan hat?