Ein Freund von mir ließ sich kürzlich in der Schweiz operieren. Nichts Dramatisches, aber auch nichts, was man auf die leichte Schulter nimmt. Was er mir danach erzählte, hat mich nachhaltig beeindruckt – und gleichzeitig erschreckt.
Vor der OP: Qualität, die sich wie Fürsorge anfühlt
Mehrere E-Mails mit dem Chefarzt. Klare Absprachen. Ein detaillierter Ablaufplan. Am Tag vor dem Eingriff ein Anruf der betreuenden Mitarbeiterin, um letzte Fragen zu klären. Während der Nachsorge wieder proaktive Kommunikation, Updates, Erreichbarkeit.
Mein Freund war nicht nur medizinisch gut versorgt – er fühlte sich gesehen, ernst genommen, begleitet.
Dann dieser Moment der Irritation
Die Schweizer Mitarbeiterin wollte den deutschen Hausarzt kontaktieren. Sie fragte nach der E-Mail-Adresse der Praxis. Mein Freund musste passen.
„Es gibt keine.“
Die Mitarbeiterin war irritiert. „Wie erreicht man die denn dann?“ – „Gar nicht. Oder man versucht es telefonisch. Viel Glück.“
Mein Freund erzählte mir das mit einer Mischung aus Belustigung und Resignation. Er war fast erschrocken über die Möglichkeiten, die es geben kann – weil man hier in Deutschland ja schon Kummer gewohnt ist.
Aber natürlich war er hocherfreut zu sehen: Es geht auch anders.
Qualität vs. Erwartung: Zwei Welten
Warum ich das erzähle? Weil hier ein fundamentaler Unterschied sichtbar wird:
- Qualität ist die Erfüllung von Verträgen.
- Zufriedenheit ist die Erfüllung von Erwartungen.
Der deutsche Hausarzt erfüllt seinen Vertrag. Diagnostik, Behandlung, Abrechnung. Alles korrekt.
Aber die Erwartung? Die Erwartung, erreichbar zu sein, zu kommunizieren, Sicherheit zu geben – die bleibt auf der Strecke.
Das Schweizer Krankenhaus hingegen hat nicht nur den medizinischen Auftrag erfüllt, sondern auch die unausgesprochenen Erwartungen übertroffen.
Und du? Wie ist das in deinem Unternehmen?
Erfüllst du nur Verträge – oder auch Erwartungen? Lieferst du ab, was vereinbart ist, oder gehst du den Schritt weiter und fragst dich: Was braucht mein Kunde wirklich, um zufrieden zu sein?
Was hilft?
1. Erreichbarkeit als Qualitätsmerkmal begreifen
Vertragserfüllung ist Pflicht. Aber echte Zufriedenheit entsteht durch Verfügbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit. Wenn deine Kunden dich nicht erreichen, spielt es keine Rolle, wie gut deine Leistung ist.
2. Erwartungen aktiv managen
Frag deine Kunden, was sie wirklich erwarten – nicht nur, was im Vertrag steht. Die Lücke zwischen beidem ist dein Handlungsraum. Wer diese Lücke kennt, kann sie schließen. Wer sie ignoriert, verliert.
3. Kleine Gesten, große Wirkung
Ein Anruf zur Nachfrage, eine E-Mail mit Updates, ein kurzes „Alles okay bei Ihnen?“ – oft sind es die kleinen, menschlichen Touchpoints, die den Unterschied machen. Nicht spektakulär. Aber wirkungsvoll.
Mein Freund ist gesund zurück aus der Schweiz. Und ich? Ich denke seitdem öfter darüber nach, wo in meinem eigenen Unternehmen Verträge erfüllt werden – aber Erwartungen offenbleiben.
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