Der Tod klopft an die Tür
Drinnen sitzt der Bandlkramer, Händler für Bänder und Schnüre. Doch wie so oft hat er gerade keine Zeit.„Gleich“, ruft er, „gleich komm’ ich mit. Aber schau, erst die roten Bandln – die müssen ordentlich liegen.“
Der Tod nickt, setzt sich, wartet. Als die roten sortiert sind, fällt dem Bandlkramer ein: „Die blauen! Ein Chaos. Nur einen Augenblick.“ So vergeht eine Stunde. Ein Tag. Ein Jahr.
Frei nach einer bayerischen Volkserzählung. Der Stoff ist gemeinfrei – die Nacherzählung ist neu.
Patron der Aufschieber
Der Bandlkramer lebt, was viele kennen: verschieben, vertrösten, verhandeln. Er hält sogar den Tod hin – wie wir die Steuer, den Zahnarzt, das Gespräch mit dem Chef. Alles ist wichtig, nur nicht das Eigentliche.
Witzige Alltagsklassiker
- Der Mailsortierer: Posteingänge ordnen, bevor das Konzept beginnt.
- Der Kaffeemacher: „Ohne Espresso keine Strategie.“
- Der Putzer: Erst den Schreibtisch desinfizieren, dann die Zahlen.
- Der Digital-Tourist: „Nur kurz“ News, Reels, LinkedIn – und weg ist die Stunde.
- Der Perfektionist: Fängt nicht an, weil es am Ende perfekt sein muss.
Warum wir aufschieben
Prokrastination ist selten Faulheit. Meist ist es Angst: vor Anstrengung, vor dem Scheitern, vor dem Urteil anderer. Also schaffen wir Ersatzhandlungen – Bandln sortieren – und nennen es „busy“.
Die Wende: Ein Bild statt Druck
Nicht noch ein Zeitmanagement-Trick. Hilfreicher ist ein Zukunftsbild: keine 50 Seiten, sondern ein klarer Satz, eine kurze Geschichte, ein Horizont. Es verschiebt die Perspektive von „Muss“ zu „Will“.
- Klarheit: Wofür mache ich das?
- Richtung: weniger Druck, mehr Ziel.
- Energie: Anfangen fällt leichter, wenn der Sinn vornedran steht.
Mini-Plan gegen Aufschieberitis
1) 10-Satz-Skizze
Schreibe in zehn Sätzen auf, wie „gut“ in sechs Monaten aussieht. Keine Prosa, klare Bilder. Fertig ist die Spur.
2) Pomodoro mit Purpose
25 Minuten nur die eine Sache. 5 Minuten Pause. Vier Durchgänge. Davor notieren: „Wozu mache ich das?“ – der Mini-Sinn macht den Start leichter.
3) MVP statt Meisterwerk
Erste Version in 60 Minuten. Unfertig ist erlaubt, Feedback ist gewünscht. Perfekt kommt später.
4) Frist mit Publikum
Sage laut an, was du bis wann lieferst. Öffentlichkeit schlägt Ausrede.
Fazit
Den Tod kann man nicht ewig auf der Bank sitzen lassen. Das Leben auch nicht. Wer ein Bild hat, fängt an – und braucht keine Bandln mehr zu sortieren.
Aktivierende Frage: Welche Aufgabe würdest du heute nicht mehr „auf morgen“ vertagen, wenn du dem Bandlkramer über die Schulter schauen würdest?