Die Frage ist so alt wie die erste Unternehmerin – und so neu wie jeder Montagmorgen: Kann man eine gute Mutter und eine erfolgreiche Unternehmerin sein?
Fragt man zehn Frauen, bekommt man zehn verschiedene Antworten. Aber alle erzählen dieselbe Geschichte: von Erwartungen, schlechtem Gewissen und der Suche nach einem Maß, das nicht im Kalender steht.
Das Schuldgefühl im Nacken
Sie steht früh auf, macht Pausenbrote, schreibt E-Mails zwischen Milchkaffee und Kita. Später im Büro führt sie Teams, entscheidet, motiviert. Abends kommt sie heim – müde, aber funktionierend. Und dann die Stimme im Kopf: „War ich heute genug Mutter?“
Das ist der Preis vieler Unternehmerinnen: ständige Selbstverhandlung. Zu viel Arbeit, zu wenig Zuhause, zu viel Anspruch, zu wenig Nachsicht. Die perfekte Balance bleibt ein Mythos – und Schuld der ständige Begleiter.
Erfolg hat viele Gesichter
Erfolg heißt nicht immer Wachstum, Zahlen, Reichweite. Erfolg kann auch heißen: pünktlich zum Elternabend kommen. Ein Meeting absagen, weil das Kind krank ist – und es nicht rechtfertigen müssen. Erfolg heißt, den Mut zu haben, nicht perfekt zu sein.
Viele Unternehmerinnen haben gelernt, ihre Stärke anders zu definieren: nicht als Härte, sondern als Klarheit. Nicht als Kontrolle, sondern als Vertrauen – in sich selbst, in andere, in das, was zählt.
Die gefährliche Lüge der Vereinbarkeit
„Du kannst alles haben“ – das klingt gut. Aber es stimmt nicht. Du kannst viel haben, aber nicht gleichzeitig. Die Energie, die du in dein Unternehmen steckst, fehlt manchmal zu Hause. Die Zeit, die du mit deiner Familie verbringst, fehlt manchmal im Büro.
Und das ist okay. Denn das Leben ist kein Nullsummenspiel. Wer glaubt, er müsse beide Welten perfekt bedienen, verpasst das Wesentliche: präsent zu sein, dort, wo man gerade ist.
Was Kinder wirklich lernen
Kinder sehen mehr, als man glaubt. Sie lernen nicht aus dem, was du sagst – sondern aus dem, was du lebst. Wenn du zeigst, dass man Verantwortung tragen und trotzdem lachen kann, dass Arbeit Sinn machen darf, dass Leidenschaft nicht Egoismus ist – dann bist du längst ein Vorbild.
Perfektion macht Kinder unsicher. Echtheit macht sie stark.
Selbstfürsorge ist kein Luxus
Viele Unternehmerinnen brennen für ihr Unternehmen – und verbrennen sich dabei. Wer immer nur gibt, verliert irgendwann die Verbindung zu sich selbst. Aber wer sich Pausen erlaubt, tankt Kraft für beide Welten.
Selbstfürsorge ist keine Schwäche, sondern ein Führungsprinzip. Es ist der Unterschied zwischen „funktionieren“ und „wirken“.
Das Zukunftsbild als Anker
Ein Zukunftsbild ist kein Plan und kein To-do. Es ist eine innere Landkarte, die zeigt, was dich wirklich trägt. Wenn du weißt, wofür du arbeitest, musst du dich nicht ständig rechtfertigen. Du kannst klarer entscheiden, wann du „Ja“ sagst – und wann du „Heute nicht“ sagst.
Es ist der Moment, in dem Arbeit und Familie nicht länger Gegner sind, sondern Teile eines Ganzen. Kein Balanceakt, sondern ein Fluss.
Fazit: Es geht nicht um „entweder – oder“
Gute Mutter, gute Unternehmerin – das sind keine Gegensätze. Es sind zwei Ausdrucksformen derselben Kraft: Verantwortung, Liebe, Gestaltungswille. Wer beides lebt, lebt intensiver – manchmal chaotisch, oft unperfekt, aber immer echt.
Und genau das ist Führung: sich selbst führen, bevor man andere führt. Mit Haltung, Herz und einem klaren Bild davon, was zählt.