23 Uhr. Der Firmenumzug war durch, 60 Veranstaltungen weltweit lagen hinter mir, und vor mir: zehn Tage Wachau. Silvester-Gala, gutes Essen, beste Freunde. Um 4 Uhr früh sollte es losgehen. Ich hetzte nach Hause, warf alles ins Auto – mein Kopf halb beim neuen Bürostandort, halb schon auf der Autobahn.
Schneetreiben. Müde Augen. Vorfreude als Treibstoff. Kurz vor Krems dreht sich meine Freundin um: „Wo sind meine Kleider und das Abendkleid?“
Mir gefror das Blut in den Adern.
Die Kleider hingen noch im Flur. Aufgehängt, damit ich sie nicht vergesse. Ich hatte sie nicht einmal gesehen.
Die Boutiquen: geschlossen. Die Gala: in drei Stunden. Meine Freundin: fassungslos. Ich: verzweifelt. Bis die Hotelchefin zur Retterin wurde – Anruf bei einer Freundin mit Boutique, private Öffnung, die Kreditkarte glühte. Gerettet. Heute lachen wir darüber.
Der Punkt hinter der Anekdote
Das war kein logistischer Ausrutscher. Es war ein Symptom. Mein Leben war keine Balance, sondern ein Krampf. Hier der Job mit 60 Events. Dort das „richtige Leben“. Und ich dazwischen – eigentlich nirgends richtig.
Woran du merkst, dass deine Work-Life-Balance nicht funktioniert
- Du vergisst nicht nur Kleider. Du vergisst dich selbst.
- Im Urlaub bist du gedanklich im Büro – und im Büro träumst du vom Urlaub.
- Du teilst dein Leben in Schubladen – und fühlst dich in keiner zu Hause.
- Deine Energie verpufft im ständigen Hin und Her.
Die Wende im Kloster
Später, in einem Kloster voller Macher, sprach ein Professor über Zukunftsbilder und Preferred Futuring. Plötzlich begriff ich: Der Ansatz ist falsch. Es geht nicht ums Trennen. Es geht ums Verbinden.
Warum ein Zukunftsbild mehr Kraft hat als Trennung
Ein Zukunftsbild fragt nicht: Wie viel Zeit für Arbeit, wie viel fürs Leben? Es fragt: Wofür brennst du? Was ist dein Beitrag? Wenn Arbeit und Leben demselben Sinn folgen, verschwindet der Konflikt. Du musst nicht mehr balancieren – du lebst. Aus einer Quelle. Mit Richtung.
Heute
Heute führe ich Viewfromthehill. Ich arbeite immer noch viel. Aber ich kämpfe nicht mehr gegen mich selbst. Arbeit ist Teil meines Lebens, nicht sein Gegner.
Die Kleider? Vergesse ich manchmal noch. Aber nicht mehr mich selbst.